Die Vorgeschichte und Ausgangslage: Eine alte Militär-Fulgpiste mitten in der Finnischen Pampa, cirka 10.000 Zuseher, größtenteils der Marke „Hardcore-Biker“, begleitendes Drag-Racing und jede Menge Party bei gerade mal drei Stunden Dunkelheit pro Tag geben den Rahmen des heurigen Meisterschaftsfinales, in dem ich sicher die mit Abstand besten Karten habe: Nach meinen Siegen in den Läufen eins und zwei in Assen (NL) bzw. Kaposvar (HUN) reicht mir diesmal ein fünfter Platz, um den Titel zu sichern. Von Seiten der Konkurrenz steht zwar der Ungarische Rookie Zoltan Angyal und die Legende A.C. Farias (BRA) am Start, doch mein härtester Konkurrent, Humberto Ribeiro aus Portugal, scheint den Titel bereits abgeschrieben zu haben, nachdem er die zugegebenermaßen weite Anreise hierher gar nicht mehr auf sich nahm.
Doch ich wäre nicht soweit gekommen, wenn ich mich generell mit Sicherheitsläufen zufriedengeben würde. Also gilt auch für diesen Event das Vollgas-Prinzip. Ich will und werde hier – Judging-Kriterien hin oder her – vor allem eine fette und dynamische Chris Pfeiffer-Show für die vielen Fans abziehen. Das wird wohl zumindest für ein Podium reichen.
Die Qualifikation, Freitag, 9.Juni: Bei mäßigem Wetter und eher frischen Temperaturen, die sie hier heroben „Sommer“ nennen, stieg auf einer Nebenpiste zu den vielen Drag-Racenden Turbo Hayabusas und NOS GSXRs die Qualifikation. Erneut musste ich durch einen „Pflicht-Teil“, bestehend aus einem so langsam wie möglich ausgeführten Wheelie auf einer Strecke von 100 Metern, ein so lange wie möglich gefahrener Stoppie nach limitiertem Anlauf von 40 Metern sowie soviele Donuts wie möglich binnen je 10 Sekunden in beiden Richtungen um eine Pillone. Bloss das kurze Röckchen von Eiskunstlauf fehlt noch ;-) … Egal, unmittelbar danach war auch ein Freestyle-Block angesagt, und der eigentliche Sport konnte endlich beginnen. Zwar nur für 2 Minuten, aber immerhin … ich versuchte, so kompakt als möglich smoothe Kombos zu zeigen und den Leuten meinen Flow zu vermitteln, was auch bei Zusehern und der Konkurrenz gut anzukommen schien.
Nachdem ich in der Pflicht allerdings einige Punkte-Einbussen hinnehmen musste, endete ich in der Quali punktegleich mit Zoltan Angyal ex-aequo auf dem ersten Platz. Gut so, denn die Punkte bleiben für die Zwischenrunde und das Finale am Samstag, dem 10.Juni auf der Haupt-Piste stehen. Die Ausgangsposition passt also.
Der große Final-Tag: In der Zwischenrunde, dem ersten Lauf des Tages, hatte ich bloß vier Minuten Zeit für meinen Run. Etwas wenig, wenn ich so an alle möglichen Tricks in meinem Repertoire denke, aber andererseits genug Zeit, wenn man die ganzen Tricks richtig dicht komprimieren will. Vier Minuten Programm gehen konditionell auch richtig locker von der Hand. Bei mir anscheinend noch leichter als bei den anderen Ridern, ich konnte diese Zwischenrunde mit besagt dichtem Run nicht nur gewinnen, sondern mir auch noch satte 17 Punkte Vorsprung auf den Zweiten, Zoltan Angyal, vor dem letzen Lauf herausfahren.
Im besagten letzten Lauf gab’s dann endlich volle acht Minuten Zeit, und ausgerechnet da verlor ich zwischendurch ein wenig meinen Rhythmus und viele meiner momentan heißesten Tricks fielen mir spontan nicht ein! Als dann endlich wieder Input aus der Denkzentrale kam, kam auch bald schon die schwarze Flagge: Aus. Zeit vorbei!! Obwohl die als eher kühl bekannten Finnen bei meinem Run abgingen wie Zäpfchen war ich selbst nicht gerade zuuu Happy mit meinem letzten Lauf des Tages. Es reichte TROTZDEM! Erstmal für den Laufsieg Nummer drei, aber vor allem:
Ich bin Stunt Riding Europameister 2006: Der Titel ist meiner, und das recht eindeutig mit drei Siegen in drei Events.
Auch wenn unser Sport in Sachen Contests immer noch recht unterrepräsentiert ist, war die heurige Serie mit vielen hoffnungsvollen Rookies und Alles in Allem fairem Judging ein Schritt in die richtige Richtung. Zu hoffen bleibt, dass alle auch weiterhin an einem gemeinsamen Strang ziehen und das keimende Potential so richtig durchkommt. Auch wenn’s mir keiner glaubt: Die Evolution schreitet nur voran über den Nachwuchs und sauber administrierte, fett in Szene gesetzte Contests, und auch die etablierten Rider, zu denen ich mich zählen darf, können sich über zukünftige Herausfoderungen zu neuen Levels pushen. Sieger ist und bleibt unser Sport Stunt Riding. … er lebt und rockt!!